Iron Sky - Kostenreduktion und Kreativität bei der Filmproduktion durch die Crowd

Published by Jonathan on So, 04/08/2012 - 13:16 in

Ich war gestern im Kino und habe mir den endlich erschienenen Film Iron Sky angeguckt. Hat es sich gelohnt? Auf jeden Fall!

Der Film wurde durch Crowdsourcing mitentwickelt, an jeder Stelle des Produktionsprozesses. Darüber kann man mehr in unserem Artikel über Wreck-A-Movie lesen. Jetzt ist der Film draußen, deswegen heute ein paar Absätze Filmkritik.

Iron Sky ist teilweise zum brüllen komisch, dann wieder dramatisch. Er ist Satire, Groteske, Blockbuster und Drama in einem. Und, obwohl ihm das immer wieder unterstellt wird, er ist kein Trash.

Viel mehr ist Iron Sky voll mit Zitaten zu einigen der großartigsten Filme der Filmgeschichte: „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“, „Der große Diktator“, „Star Wars“, „Independence Day“, „Die nackte Kanone“,... Dabei verliert der Film aber nie seine Eigenständigkeit. Und er wird auch (fast) nie flach.

Die Story: Die Nazis sind 1945 auf die dunkle Seite des Mondes geflüchtet. Jetzt kehren sie zurück und wollen die Welt erobern. Klingt trashig, ist es aber nicht. Warum? Weil die Nazis nicht die üblichen Filmbösewichte sind, wie man sie aus Indiana Jones kennt. Stattdessen gesteht der Film den einzelnen Personen tatsächlich Charakter zu. Z.B. Renate, die in einer Gesellschaft der ständigen Indoktrinierung aufgewachsen ist, aber dennoch bis zum Ende des Films über ihren eigenen Schatten und (und die Hautfarbe) springt und die Seiten wechselt.

Gleichzeitig werden die Anführer der Erdennationen nicht gerade schmeichelhaft dargestellt. Die amerikanische Präsidentin ist z.B. ein Double von Sarah Palin (großartig!), die ganz dringend einen Krieg braucht um die nächste Wahl zu gewinnen. „Nazis? Great, they are the only guys we ever managed to beat in a fair fight.“ Und so sind es am Ende auch die Führer der freien Welt, die eine viel größere Bedrohung für die Erde darstellen, als die Nazis auf dem Mond.

7,5 Mio Euro hat der Film gekostet, ein Bruchteil dessen was Hollywoodblockbuster kosten. Aber obwohl die Effekte vielleicht nicht ganz mit Transformers oder Avatar mithalten können, so sehen sie doch allesamt professionell aus, man kommt sich auch hier nicht vor, als wäre man in der modernen Ausgabe von Raumschiff Orion gelandet. Crowd sei Dank!

Dem Film wird mit seinem Thema kalkulierter Tabubruch unterstellt. Das mag man so sehen, oder nicht. Welches Tabu eigentlich? Der Film ist Satire, und an keiner Stelle werden Nazis verherrlicht oder das Gedankengut als positiv dargestellt. Wäre er in Hollywood gedreht worden wäre er bestimmt zahmer, aber auch flacher. Alle Nazis wären am Ende tot, das Schicksal der bombardierten Mondbasis mitsamt Frauen und Kindern wäre verschwiegen worden, und das Ende wäre mit sicher nicht so sarkastisch. Der Film nimmt seine Zuschauer viel ernster, als das eine normale Produktion überhaupt dürfte. Wenn Transformers kein Trash ist, dann ist Iron Sky grandioses Kino.

Dabei ist es natürlich bei allem Anspruch vor allem ein Unterhaltungsfilm. Er ist das, was dabei herauskommt, wenn man genau das dreht, wenn man sein Publikum vorher fragt, was es sehen will.

Was heißt das für Crowdsourcing inklusive Crowdfunding in der Filmindustrie? Der Film war in dieser Hinsicht ein Experiment. Dieses ist voll und ganz geglückt. Für einen Bruchteil der Kosten wurde hier ein Filmerfolg kreiert, der den Vergleich mit Hollywood nicht zu scheuen braucht. Für die Filmindustrie heißt das in den nächsten Jahren vielleicht umdenken, denn dieser Gedanke könnte sie vielleicht retten. Denn das alte Studiokonzept von Hollywood funktioniert nicht mehr. Die Produktionskosten werden von immer weniger Filmen eingespielt, echte Kreativität kaum noch umgesetzt.

In dieser Situation ist Iron Sky wie ein Weckruf.