Interview mit Aleksandar Ivanov

Published by Susanna on Fr, 03/16/2012 - 15:48 in
CrowdWorx

Wir sind der Meinung, dass die Interviews spannende Einblicke in die Hintergründe von Crowdsourcing aus ganz verschiedenen Perspektiven liefern. Daher haben wir auch diese Woche wieder ein Interview mit einem Anbieter einer Crowdsourcing-Leistung für Unternehmen geführt. Aleksandar Ivanov ist Gründer von CrowdWorx, welches einen spannenden Ansatz verfolgt, wie das Wissen der Mitarbeiter in großen Unternehmen gebündelt und zum Vorteil des Unternehmens eingesetzt werden kann.

Beschreiben Sie (kurz!) Ihr Unternehmen!

Bei CrowdWorx handelt es sich um ein Enterprise 2.0 Tool. In unserem Crowdsourcing-Ansatz arbeiten wir nur mit Mitarbeitern. Wir bündeln Meinungen und Erfahrungen vieler Mitarbeiter zu einer Zahl. Wir sehen den Vorteil gegenüber normalem Crowdsourcing darin, dass ein Mitarbeiter sowohl Verbraucher als auch Spezialist in einer Person ist. Dadurch können ganz andere Themen bearbeitet werden, z. B. interne Innovationsprojekte, Absatzprognosen, Risikomanagement, die wegen der Vertraulichkeit niemals in einem öffentlichen Crowdsourcing möglich wären.

Was ist Ihre Aufgabe in diesem Unternehmen?

Als Gründer bei CrowdWorx bin ich für die weltweiten Vermarktung von CrowdWorx und dessen
Weiterentwicklung zuständig.

Was hat Ihr Unternehmen mit Crowdsourcing zu tun?

Sehr viel, da wir Unternehmen mit CrowdWorx einen sehr konkret definierten Crowdsourcing-Ansatz zur Verfügung stellen. Die Besonderheit ist, dass Unternehmen die Fachexpertise von Mitarbeitern nutzen, um sie zu einer exakten Zahl, z. B. Prognosen, Risikobewertungen, Marktpotentiale bündeln zu können.
Mit unserem Ansatz bündelt beispielsweise die Deutsche Telekom das Wissen von 240.000 Mitarbeitern in einer Zahl, welche direkt an den Vorstand geht. Auf Basis dieser breit fundierten Zahlen kann das Management konkrete Entscheidungen treffen.

Wie sind Sie zum ersten Mal mit Crowdsourcing in Berührung gekommen?

Das war 2007, als ich das Buch von James Surowiecki „Wisdom of Crowds“ las. Kurz danach kam die Crowdsourcing-Welle langsam ins Rollen und spätestens seit 2010 ist Crowdsourcing auf einem Wachstumspfad und wird wohl immer mehr an Bedeutung gewinnen. Manche Unternehmen wollen Aufgaben zunehmend mit Crowdsourcing outsourcen. IBM ist da ein Beispiel, was zuletzt für Furore gesorgt hat.

Haben Sie für Ihr Unternehmen schon Crowdsourcing-Angebote genutzt? Welche?

Unser Logo haben wir bei 99designs gesourced und sind sehr zufrieden damit.

Welche Crowdsourcing-Ansätze und -Ideen beeindrucken Sie derzeit am Meisten?

Innocentive und Kaggle, die beide auf anspruchsvolle Aufgaben, z. B. die Lösung kniffliger mathemaischer Probleme spezialisiert sind. Der Wissenschaftler in mir, findet diesen Ansatz spannend, da man dort Forschergeist und Wettbewerb kombiniert erleben kann. Das heißt, ich fände es schon als Teilnehmer spannend gegen andere Teams anzutreten. Aus Management-Sicht sind natürlich die vielen kreativen Lösungen, auf die man allein nie gekommen wäre, hoch spannend.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Schwierigkeiten bei der Nutzung der Crowd für Unternehmen? Was muss man beachten und was sollte man auf keinen Fall machen?

Wenn man sich Crowdsourcing allgemein betrachtet so stellen sich zunächst grundlegende Fragen, wie z.B. ob sich eine vorliegende Aufgabe überhaupt für Crowdsourcing eignet und wenn ja, wer die richtige Zielgruppe wäre.
Danach muss man sich genau überlegen, wie man diese Zielgruppe, seien es Mitarbeiter (internes Crowdsourcing) oder Externe (externes Crowdsourcing) richtig motiviert. Manchmal schaden monetäre Anreize, z. B. in Situationen, wo man eher an altruistische Motive appellieren sollte.

Crowdsourcing gewinnt immer mehr an Bedeutung für Unternehmen. Man sollte aber nicht den Fehler machen es nur als Kostensenkungsmittel zu betrachten. Vielmehr stehen die damit erreichbaren Ergebnisse im Vordergrund.

Was erwarten Sie in Zukunft von Crowdsourcing?

Das Thema ist omnipräsent und ich denke, dass Crowdsourcing für viele Unternehmen an Bedeutung gewinnen wird. In einer komplexen Welt, können Entscheidungen nicht mehr allein auf Basis von Expertenmeinungen erfolgen. Man braucht die kollektive Intelligenz der ganzen Organisation. Wir befinden uns diesbezüglich in sehr spannenden Zeiten.

Kategorien 

Sonstiges