Crowdsourcing bekloppt: Hier wird Moritz nicht geholfen

Published by Jonathan on Di, 06/21/2011 - 10:18 in

Bei meinem Arbeitsweg heute morgen bin ich eher zufällig auf ein Beispiel für Crowdsourcing gestoßen: Der Radiosender Energy Berlin hat auf seiner Facebookseite folgenden Text ausgeschrieben:

Könnt ihr helfen? Boussa aus der Toastshow hat eine Facebooknachricht von Moritz bekommen. Seine Freundin sagt immer, dass seine EX viel hübscher ist als sie. Deshalb jammert sie die ganze Zeit rum und nervt ihn und Moritz weiß nicht, was er tun soll. Was kann Moritz seiner Freundin sagen? Wie beruhigt er sie am besten?

Damit die Beteiligung an der Frage auf Facebook möglichst groß wird, wird sie auch in der betreffenden Show im Radio angekündigt. Die Beteiligung ist für einen regionalen Radiosender durchaus ok, in den letzten zwei Stunden haben sich schon über 50 Leute mit Kommentaren an der Frage beteiligt.

Für den normalen Hörer ist dies ein wenig Unterhaltung, er kann sich über die Beziehungsprobleme von Moritz amüsieren und kriegt von den Moderatoren sozusagen als Teaser ein paar der Kommentare vorgelesen. Ein paar der Hörer gehen auch auf die Fanpage und lesen die Kommentare, vielleicht werden sie sogar Fans auf Facebook. Ein paar weitere kommentieren vielleicht sogar selbst, die Nachricht verbreitet sich noch ein wenig weiter auf Facebook. Eine stinknormale virale Kampagne also, und als solches ein fast schon uninteressantes Beispiel für Crowdsourcing.

Wenn da nicht noch Moritz wäre!

Moritz hat auf diese Weise über Energy ein Problem ausgeschrieben, bei welchem ihm die Crowd sicher nicht helfen kann (ich unterstelle jetzt einfach mal, dass Moritz existiert und sich die Frage niemand ausgedacht hat). Beziehungsprobleme sind sicher viel zu persönlich und viel zu abhängig von den privaten Eigenschaften der handelnden Personen, als dass durch massenhafte Vorschläge eine Lösung dahergeflogen kommt. Ich packe ja auch nicht Bilder von drei Anwärterinnen auf den Freundin-Posten auf Facebook und lasse abstimmen.

Das Prinzip Crowdsourcing wird hier insgesamt sogar drei mal angewandt: Der Radiosender lässt sich Themen in Form von Problemen von den Hörern für die Facebookfanpage zuschicken. Diese werden dann gepostet und helfen der viralen Kampagne. Virales Marketing in Reinform! Und dann ist da noch der arme Moritz. Für den Radiosender lohnt sich das, für Moritz nicht!

Hoffen wir für Moritz, dass seine Freundin nichts davon mitkriegt, sonst hat er ganz schnell kein Problem bzw. keine Freundin mehr.