Amazon, Hollywood und die Crowd

Amazon (www.amazon.com) dürfte den meisten wohl ein Begriff sein. Der Onlineversender ist inzwischen ein international tätiger Konzern, der in immer neue Geschäftsfelder vordringt. Mit dem Kindle hat er lange vor dem IPad von Apple ein Ebookreader auf den Markt gebracht und mit seinem Onlineshop verbunden.
Aber was hat Amazon mit Crowdsourcing zu tun?
Unter http://studios.amazon.com betreibt Amazon ein Internetportal, auf dem monatlich Preise für die besten eingesendeten Drehbücher, Tablereads und Testfilme ausgeschrieben werden. Und zwar nicht gerade kleine Preise: Tablereads sind mit 10.000$ Preisgeld dotiert, Drehbücher mit 20.000$ und Testfilme sogar mit 100.000$. Aber wieso ist das Crowdsourcing und was hat Amazon davon?
Schon auf der Startseite zeigt Amazon, worum es dem Konzern wirklich geht. Unter studios.amazon.com befindet sich eine eine ganze Community für Filmbegeisterte und Filmschaffende. An der Jury sind teilweise prominente Namen aus Hollywood beteiligt. Scheinbar will Amazon ins Filmgeschäft einsteigen?
Ein Blick in die Teilnahmebedingungen und ins FAQ offenbart endgültig, worum es Amazon eigentlich geht: Man muss die vollständigen Rechte an dem eingereichten Drehbuch oder Testfilm etc. Haben. Amazon erhält eine zwei Jahre gültige Exklusivoption zum Kauf des Drehbuchs für 200.000$ und kann diese für 10.000$ Dollar noch einmal um 18 Monate verlängern. Tablereads müssen auf einem Gewinnerdrehbuch des Vormonats basieren. Die Teilnahmebedingungen, Preise und Kategorien ändern sich von Monat zu Monat ein wenig, bleiben aber im gleichen Rahmen.
Bei studios.amazon.com geht es aber nicht nur um Drehbücher. Viel mehr geht es darum, ganze Projekte anzulegen und so die Produktion des Films bis zu einem bestimmten Zeitpunkt komplett in die Crowd zu verlagern. Läd man ein Skript hoch, dann legt man ein ganzes Projekt an. Man kann mit anderen Zusammenarbeiten und sich über das Skript austauschen. Hat man also ein Skript hochgeladen, dann kann ein ganzes Team daraus einen Testfilm produzieren. Dieser testfilm kann dann auch in den Wettbewerb eingereicht werden. Mittels eines solchen Testfilms sollen die Filmemacher und Studiobosse sich einen besseren Eindruck von dem Material machen können, bevor sie sich entscheiden, ob sie daraus einen Kinofilm mit Hollywood-Budget machen wollen.
Zusammengefasst ist es also so: Amazon will nicht nur spannende Drehbücher bekommen, sondern diese sollen auch gleich in spannende Testfilme umgewandelt werden, die dann bei Hollywoodstudios in spannende Big-Budget Filmproduktionen verwandelt werden. Dazu bedient sich Amazon bei der Kreativität der Crowd.
Ein sehr spannendes Crowdsourcingprojekt, dessen Erfolg zwar noch nicht abzusehen ist, was aber dennoch ein sehr großes Potential hat. Dazu muss man sagen, dass Amazon hier nicht den Weg beschreitet, die Crowd als Kostensenker zu begreifen, sondern eher versucht die Qualität des verfügbaren Ausgangsmaterials deutlich zu steigern!

